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Vicky weiß wie! Heute zum Thema: Gebirgsbäche und Gletscherwasser = Trinkwasser?

In meinem letzten Bericht schrieb ich über die „Must-haves“ einer Tageswanderung. Ausreichend Trinkwasser dürfe natürlich nicht fehlen; so hieß es wörtlich: „Auch wenn man es nicht unbedingt trinken muss: Kommt man an einem Bächlein vorbei, ist es auf jeden Fall sinnvoll, eine bereits leere Trinkflasche aufzufüllen, um einfach nochmal einen Liter Wasser dabei zu haben. Lieber kippt man das Wasser am Abend hinter's Auto, als im Falle eines Falles ohne Wasser da zu stehen.“ Nun, diese Aussage kann man (Schande über mein Haupt!) eigentlich nicht so stehen lassen: Unter Umständen sollte man eben nicht einfach das Wasser eines X-beliebigen Baches trinken. Verunreinigungen, z.B. durch tierische Exkremente oder gar tote Tiere, können zu Erbrechen und/oder Magen-Darm-Beschwerden führen. Quellwasser ist hier die Alternative der Wahl – da es durch viele Gesteinsschichten gefiltert und somit gesäubert wurde.

Und wie sieht es mit Gletscherwasser aus?

Prinzipiell ist Gletscherwasser („Gletschermilch") wohl kaum verkeimt, weil die Temperatur am Gletscher sehr gering ist und sich ungünstig auf eine eventuelle Keimentwicklung auswirkt. Gletscherwasser führt auch noch einige Schwebstoffe mit (deswegen auch die milchige Farbe). Hier handelt es sich um ganz feinen Sand, bzw. Staub. Wenn man nun wirklich vorhat, dieses Wasser über einen längeren Zeitraum zu trinken, sollte man es filtern – z.B. durch einen Kaffeefilter. Trotzdem ist das Trinken von Gletscherwasser gesundheitlich nicht ganz unbedenklich; da es sich beim Gletscherwasser um reines Oberflächenwasser hadelt, kann es mit Schwermetallen und anderen (atmosphärischen) Schadstoffen belastet sein. Zusätzlich enthält es auch so gut wie keine Mineralstoffe, welche aber gerade während längerer Bergtouren unbedingt aufgenommen werden sollten, da durch Anstrengung und Schwitzen viele Elektrolyte verloren gehen. Trinkt man nun auch noch sehr mineralstoffarmes Gletscherwasserwasser, kann dies zu einer Überwässerung des Körpers (auch „Wasservergiftung“ oder hypotoner Hyperhydration) führen. Bei der hypothonen Hyperhydration kommt es zu einem Überschuss an freiem Wasser im Körper und der Natriumspiegel im Blut sinkt. Zum Ausgleich der Salzkonzentrationsunterschiede strömt Wasser in die Zellen ein (Osmose) und die Zellen schwellen an. Dies führt dann zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen – im Extremfal sogar zu Organschädigungen. Glücklicherweise lässt sich dieses Problem leicht umgehen, indem man dem Gletscherwasser Elektrolytpulver oder Mineraltabletten zufügt.

Wenn man nun aber auf seiner Wanderung weder einer Quelle, noch einem Gletscher begegnet, unstillbaren Durst hat und nur auf einen (eventuell verkeimten) Bach trifft, lohnt es sich in jedem Fall immer eine Wasseraufbereitungstablette (können in Outdoorshops oder in der Apotheke erworben werden) dabei zu haben. Nach 30 Minuten ist das Wasser dann bedenkenlos trinkbar - ohne dass man eine Nacht auf der Toilette fürchten müsste.

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Victoria Bergkemper ist Biologin, passionierte Bergsteigerin und ehrenamtliche Naturschutz-Referentin beim Alpenverein Mondsee. Sie arbeitet am Limnologischen Institut, wo sie ihre PhD-Arbeit im Feld der Plankton-Ökologie schreibt.

 
 
 

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